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REPORTAGEN 2009
Sebastian Schnuelle
Verschiedene Reportagen über das Yukon Quest und das Yukon Quest 300.

:: Reportagen 2009 ::

Interview mit Sebastian Schnuelle:
Von Paul Cech
© Copyright Paul Cech


? Du bis den Yukon Quest 2009 völlig locker angegangen und sagtest vor dem Rennen, es werde eine Campingfahrt - ein Training für das Iditarod. War das Taktik?

Schnuelle: Ein bisschen schon. Ich wusste, dass ich ein gutes Team habe. Aber es hat auch gestimmt, dass ich erst dann Rennen fahren wollte, wenn ich mir 100% sicher war, dass Mark Sleightholmes (ein "Schüler" von Sebastian, Anm.) das Rennen nicht vorzeitig beendet. Den Campingtrip hervorzuheben, anstatt die Tatsache, dass ich ein gutes Team habe, war bestimmt nicht von Nachteil. So wurde ich erst einmal gar nicht beachtet.


? Bevor wir zu Mark Sleightholmes kommen: Du bist relativ früh vorne weggefahren. Einmal warst Du an der Spitze, dann wieder so um den 5. Platz. Bei den Checkpoints bist Du oft durchgefahren und dann tauchtest Du wieder weiter Vorne auf. Mit welcher Taktik bist Du gefahren?

Schnuelle: Schon in Braeburn (1. Checkpoint nach dem Start in Whitehorse nach 160km, Anm.) konnte ich dem Mark anmerken, dass er den Kopf an der richtigen Stelle hat, und ihn das Rennen nicht einschüchtert. Auf dem Weg nach Carmacks (2. Checkpoint, ca. 255km nach dem Start, Anm.) hatte ich ihm die Wahl gegeben, mit mir zu campen. Es war abgesprochen, dass wenn er vorher anhält, das mein Zeichen ist, dass ich Rennen fahren kann. Mark hat vorher gecampt, damit stand fest: ich fahre Rennen UND gehe campen.


? Ab wann wusstest Du, dass Du Vorne sein kannst?

Schnuelle: Eigentlich ab Carmacks. Das Team lief gut und problemlos. Allerdings gab es dann gleich auf dem Weg nach Pelly (3. Checkpoint, ca. 300km nach dem Start, Anm.) einen Rückschlag, wo ich auf einer vereisten Passage einen Unfall hatte. Die Hunde kamen vom Trail ab, es gab einen Riesenknoten und einige Hunde wurden in die Bäume gezogen. Ich wollte eigentlich auch durch Pelly durchfahren, musste dort aber erst einmal in Ruhe das gesamte Team durchchecken und Bestandsaufnahme machen.


? Und ab wann hast Du geglaubt, dass Du gewinnen kannst?

Schnuelle: Je weiter das Rennen voranschritt, desto mehr sah ich meine Chancen dahin fließen. William Kleedehn, Hugh Neff und Jon Little sind sehr aggressiv gefahren. Mein Zeitplan war zwar stramm, sah aber nicht ganz so lange Läufe vor. Ich habe mich trotzdem an den Zeitplan gehalten, immer mit dem Iditarod im Hinterkopf. Erst als ich mit 8 Stunden Rückstand auf das Trio am Eagle Summit (Berg nach der Halbzeit des Rennens, Anm.) traf, wurde mir auf einen Schlag die Chance bewusst. Während die 3 eine ungemütliche Nacht am Berg verbracht haben, kam ich mit einem hoch motivierten Team und sehr ausgeruht dort oben an. Von der Minute an bin ich von meinem Plan (der eine weitere Rast auf dem Weg von Mile 101 nach Twin Bears vorsah) abgewichen.


? Du hast 2007 neben dem "Vet's Choice Award" auch den "Sportsmanship Award" gewonnen, weil Du 4 anderen Teams am steilsten Stück des Eagle Summit geholfen hattest. Heuer lagst Du im Spitzenfeld und bist trotzdem am Eagle Summit umgekehrt, als William Kleedehn Probleme mit seinen Hunden hatte. Du hast wieder geholfen, obwohl Dich das den Sieg hätte kosten können. Wie war das?

Schnuelle: Als ich am Anfang William geholfen habe, wusste ich noch nicht, dass die anderen beiden auch oben am Berg stehen - die waren außer Sichtweite. Erst als ich mit William über die letzte Kuppe kam, sah ich die beiden. Danach war mein Hilfeakt zugegebener Maßen sehr kalkuliert. Ich habe William noch eine weitere halbe Stunde geholfen, mich dann aber ohne ihn auf die Verfolgungsjagd gemacht. Ich glaube das hat er auch verstanden. Immerhin waren wir in einem Rennen. Es war aber schon ein komisches Gefühl, William kurz vor dem Summit sitzen zu lassen.


? Irgendwann einmal - so hörte man es aus dem Yukon - hast Du heuer trotzdem daran gedacht, mitten im Rennen aufzuhören. Warum?

Schnuelle: Nee, das habe ich nie. Das Rennen war die ganze Zeit eines der schönsten 1000 Meiler, die ich je gefahren hatte. Die Bedingungen waren ideal. Als ich mit Brent Sass am 8. Tag auf dem Yukon am Campen war, haben wir beide noch gesagt: Wirklich schade, dass das Rennen schon in 2 Tagen vorbei ist.


? Jon Little, der heuer 3. wurde und am Anfang ein "wildes" Rennen fuhr, meinte in einem Interview: Von Sab könne man viel lernen. Er habe noch nie wen gesehen, der so ein tolles Verhältnis zu Hunden habe und sie so schonungsvoll fährt. Was ist dein Geheimnis, so mit den Hunden umzugehen?

Schnuelle: So ganz schonungsvoll ist das gar nicht. Ich nenne es immer eine "harte Liebe". Die Hunde respektieren mich. Ich bin ein harter aber fairer Mensch. Sie wissen genau, wenn ich Leistung verlange, dass ich auch Leistung erwarte. Da gibt es kein grau, nur schwarz und weiß. Anders herum, zum richtigen Zeitpunkt, verhätschele ich meine Hunde aber auch wie Haustiere. Das Ganze muss nur eine sehr ausgewogene Balance sein. Ich verlasse mich dabei auf mein Gefühl.


w e i t e r










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