Verschiedene Reportagen über das Yukon Quest und das Yukon Quest 300.
:: Reportagen 2009 ::
Interview mit Sebastian Schnuelle:
Von
Paul Cech
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? Als Du gemerkt hast, dass Du das Rennen gewinnen kannst - was geht einem da durch den Kopf?
Schnuelle: Jegliche Müdigkeit und Erschöpfung war auf einen Schlag weg. Es gab nur noch ein Ziel. Ich MUSS die 3 einholen. Bei William war mir am Eagle Summit klar, dass er nicht mit mir mithalten konnte. Als ich Jon Little dann bergauf am Rosebud Summit überholt habe, war mir klar, dass auch er nicht mithalten konnte. Hugh Neff hat mich mit seiner hohen Geschwindigkeit sehr überrascht. Der hatte ein verdammt gutes 9-Hunde -Team
? Hast Du dann die Strategie geändert?
Schnuelle: Ja, ich habe die vorgesehene Rastpause am Fuße des Rosebud Summits gestrichen. Damit hieß es ca. 16 Stunden nonstop fahren. Eigentlich wollte ich mir solche Läufe erst für das Iditarod aufheben.
? Wie ist das Gefühl, wenn man im Two Rivers eine 8-Stunden-Pause hat, man weiß, dass man gewinnen kann - und man nicht rausfahren kann… warten muss, bis diese 8 Stunden vorbei sind? Wie cool bleibt man da? Oder kribbelt es?
Schnuelle: Klar, es hat gekribbelt wie verrückt. Da spielt schon die Umgebung eine Rolle. Plötzlich war ich umringt von Reportern, Mikrofone im Gesicht. Da ist unglaublich viel Energie in der Luft. Wobei die Quest Organisatoren das gut geregelt haben. Dort wo wir unsere Hunde versorgen, kommen die Medienleute nicht hin und wir können in Ruhe die Hunde versorgen.
Schlafen konnte ich trotzdem gut, nach 16 Stunden auf dem Schlitten und am Tag 9 des Rennens fällt das nicht schwer. Die Müdigkeit ist größer als der Adrenalinspiegel.
? Für jene, die die Szene etwas kennen und das Video gesehen haben, war es "Gänsehaut pur", als Du ins Ziel einfuhrst. Was empfindet man auf den letzten 200-400 Metern, wenn der Zieleinlauf von Fans gesäumt ist, alle applaudieren, rufen, anfeuern?
Schnuelle: Ich bin die ganzen letzten 45 Meilen sehr kalkuliert gefahren und war 35 Minuten vor Hugh Neff aus Twin Bear rausgefahren. Ich bin strikt nach GPS gefahren 8,2 Meilen die Stunde. Die Hunde wollten schneller laufen, aber ich hatte den Fuß auf der Bremsmatte. Ich wollte mir um alles in der Welt keinen Hund verletzen, weil ich alle 10 für das Iditarod Team brauche. Zwischendurch habe ich immer nur mal kurz probiert, ob ich wirklich noch einen 2. Gang hatte.
Kurz das Team angefeuert - und die sind ohne Probleme auf 11 Meilen die Stunde hoch. Schnell wieder Fuß auf die Bremse. Sobald ich Hugh auch nur einmal auf dem Fluss (Chena River vor Fairbanks, dem Ziel. Anm.) gesehen hätte, hätte ich in diesen Gang geschaltet. Zum Glück blieb den Hunden das erspart. Erstaunlicher Weise kam er nie in Sichtweite.
Die letzten 5 Meilen habe ich dann schon sehr genossen und mir gut überlegt, was ich zuerst im Ziel mache und was ich in den Interviews sage, dass ich dort nicht so ganz unvorbereitet ankomme.
? Im Ziel hast Du völlig cool zuerst die Hunde mit Futter belohnt… mir kam vor, Du hattest das alles noch nicht richtig realisiert.
Schnuelle: Die Hunde sind für mich immer das wichtigste. Es war für mich überhaupt keine Frage, was ich zuerst mache. Nämlich das, was ich immer zuerst mache: die Hunde versorgen. Alles andere kann warten..... und das haben die ja auch geduldig gemacht. Auch hier muss ich sagen, dass die Quest Organisation das gut im Griff hatte und mir und Hugh Neff genug Zeit gegeben haben, uns mit unserem Teams zu beschäftigen, bevor die Medien an die Reihe kamen. Kompliment an die Organisation.
? Wann wurde Dir so richtig bewusst, dass Du Yukon Quest-Sieger bist? Noch im Rennen oder erst lange später im Ziel?
Schnuelle: Auf den letzten 5 Meilen. "Geil ist das!" kam mir immer wieder in den Sinn. Normalerweise ist Geduld nicht gerade meine Stärke, und ich war sehr zufrieden, dass meine Strategie nicht, bzw. erst am Ende, von meinem Plan abzuweichen, doch zum Erfolg geführt hat.
? Wie hast Du gefeiert?
Schnuelle: Ich bin nicht so der Feier-Typ und bin jeder Party aus dem Weg gegangen. Nicht nur dass ich todmüde bin - für mich ist das hier gedanklich erst die Halbzeitpause.
Nächste Woche steht das Iditarod an. Dort will ich auch wieder einen 1000-Meilen-Camping-Trip fahren. Da halte ich besser meine 7 Sinne zusammen und die Party kann warten.
w e i t e r