Verschiedene Reportagen über das Yukon Quest und das Yukon Quest 300.
:: Reportagen 2008 ::
Yukon Quest Reise-Bericht:
Von
Sui Kings
© Copyright Sui Kings
Der lange Weg nach Fairbanks I:
Nach einer kurzen Nacht haben wir dann unser Gepäck so umgepackt, dass wir in den nächsten Tagen alles griffbereit haben würden.
Dann ging es zum Frühstück, welches sich als Reinfall entpuppte. Es gab etwas Obst, Muffins und Croissant mit Kaffee. Nichts
mit Eier, Speck und Bratkartoffeln. Ob wir kochen könnten, fragte uns die Besitzerin, ihr Koch sei durchgebrannt und wir
könnten heute noch anfangen. ‚War ja gut gemeint' aber wir wollen doch zum YukonQuest. So schnell kann man einen Job bekommen!
Gegen halb Neun kommt uns ein Mitarbeiter von Norcan abholen. Schnell sind die Formalitäten erledigt, jetzt noch schnell
ins Hotel die Klamotten im Auto verstaut und ab die Post. Das Wetter ist durchwachsen, es liegt feiner Schnee auf dem
Highway und die Temperaturen betragen -30 Grad C. Die grossen Trucks auf dem Alaska Highway machen uns zu schaffen,
denn die wirbeln den feinen Schnee so auf, dass die Sichtweite unter 20 Meter liegt. Wir nehmen es als Warnung, dass
schon etliche Autos im Strassengraben liegen. Gegen Mittag erreichen wir Destruction Bay, dort schnell etwas gegessen,
getankt und weiter. Kurz hinter Destruction Bay kreuzt ein Wolfsrudel den Highway, welch ein Anblick. Als ich die
Kamera schussbereit habe sind sie jedoch wieder im Unterholz verschwunden. Kurze Zeit später stoppen wir, weil ich
an einer Lichtung eine Luchs Familie entdeckt habe, die die wärmenden Sonnenstrahlen genießt. Es gelingen uns ein
paar schöne Fotos. Danke Familie Luchs, aber wir müssen weiter. Auf unserer Fahrt nach Tok sehen wir unmittelbar
am Strassenrand noch fünf Elche. Unwahrscheinliches Glück haben wir dieses Jahr mit Wildtieren. Dann fängt es
schon an zu dämmern, als wir die Grenze vom Yukon Territory nach Alaska erreichen.
Es geht alles sehr zügig an
der Grenze; Formalitäten ausfüllen, Fingerabdrücke hinterlassen, Augeniris scannen, sechs US Dollar zahlen und
weiter auf dem Highway. Gegen 20 Uhr erreichen wir Tok. Wir haben hier ein B&B vorreserviert. Nach einigem
Suchen finden wir die Unterkunft, sie liegt gut zwei Kilometer vom Highway entfernt im Wald. Aber es raucht
kein Kamin und es brennt auch kein Licht, wir haben Zweifel ob wir richtig sind. Da hilft auch noch kein so
lautes Klopfen und Rufen - es öffnet keiner.(Tage später rufen wir das B&B von Fairbanks aus an; die Besitzerin
hatte sich mit dem Datum vertan…). So fahren wir einige Meilen wieder zurück nach Tok und nehmen dort ein Motel.
Die Temperaturen sind schon auf -40 Grad Celsius gefallen. Wir gehen noch etwas essen und hauen uns dann
in die Koje. Am nächsten morgen öffne ich noch mit etwas feuchten Haaren die Tür vom Motel und verspüre
einen stechenden Schmerz in der Lunge, meine Haare sind von einer Sekunde auf die andere schockgefroren!
Schnell wieder die Tür zu und erstmal eine Mütze angezogen. Dann wieder raus ans Auto und beim Öffnen
des Kofferraum- Deckels (natürlich ohne Handschuhe!) schreie ich laut SCHEISSE! Bin mit meinen Fingern
förmlich am Deckel kleben geblieben Wir kriegen das Auto kaum zum Laufen, mit der letzten Drehung springt
der Motor an. Wir verladen das Gepäck und fahren dann rüber ins Restaurant zum Frühstücken. Beiläufig
bekommen wir ein Gespräch zwischen zwei Einheimischen mit und wir erfahren, dass die Temperaturen in
der Nacht auf -57 Grad C. gefallen sind.
Darum lassen wir während des Frühstücks auch den Motor weiterlaufen.
Nach einigen hundert Metern zurück auf dem Alcan (Alaska-Canada Highway) stoppt Hans-Jürgen das Auto
und meint ich solle mal prüfen, ob wir einen Platten hätten. Nein alles ok - aber es hört sich an, als
würden wir vier Plattfüsse am Auto haben. Aber es ist keiner der Reifen platt oder hat Luftverlust.
Wir setzen die Fahrt vorsichtig fort. Nachher stellte sich heraus, dass die Luft in den Reifen gefroren
war und wir nach einigen Kilometern, nachdem die Reifenluft etwas zirkulierte, das Problem im Griff
hatten. Die Reifen mussten erst etwas auf Betriebstemperatur gebracht werden. Nach gut fünf Minuten
Fahrt sehen wir Blinklichter am Strassenrand, wir halten an und fragen, ob wir helfen können. Es ist
die (YQ-) Musherin Kyla Boivin, der ein Anhänger-Reifen von der Felge geflogen ist. Es sei alles in
Ordnung, da der Abschleppdienst schon gerufen wäre. Wir wünschen viel Glück und machen uns wieder auf
den Weg. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz im Norden, dass man anhält und seine Hilfe anbietet, wenn
ein Auto am Strassenrand steht und die Warnblinklichter blinken. Da können wir Europärer noch eine Menge lernen!
Der lange Weg nach Fairbanks II:
Rauch aus den Kaminen der Häuser der Ortschaft Tok liegt in der Luft und legt sich wie ein Schleier auf die Strassen. Als die
Sonne aufgeht und den Nebel durchbricht, sehen wir die Berge. Atemberaubend schön präsentieren sie sich uns in ihrem Kleid
aus Eis und Schnee. Wir kommen gut voran könnten eigentlich schon viel weiter sein aber wir sehen noch etliche Elche am
Strassenrand und stoppen oft für Fotos. Manche Elche liegen nur wenige Meter vom Highway im tiefen Schnee - rühren sich
nicht von der Stelle - auch nicht wenn wir sie fast berühren können. Selbst in Delta Junction, wo der Alcan endet stehen
sie in Vorgärten und knabbern an Baumrinden. Wir können uns nicht beklagen und machen viele Erinnerungsschüsse von den
grossen Huftieren. Wir halten in Delta Junction nur kurz zum Tanken, machen weitere Bilder, dieses Mal von den Eisskulpturen
die am Info Center stehen. Gegen Mittag erreichen wir dann bei wunderschönem Wetter Fairbanks. Wir checken im Westmark
Hotel ein, bringen dann erstmal in aller Ruhe die Taschen aufs Zimmer und beschliessen dann uns ein wenig die Stadt
anzusehen. Wir fahren beim YukonQuest Hauptquartier vorbei und erkundigen uns wo denn heute Abend das ‚Meet the Musher'
stattfindet. Dort ist man sehr freundlich und erklärt uns den Weg, wie wir dorthin kommen. Um ganz sicher zu sein,
dass wir es auch finden zeichnet man uns den Weg vom Hotel zum Ort des Treffens in einem Stadtplan ein. Wir
verabschieden uns höflich und dankend und stellen fest, dass wir beide von einem kleinem Hungergefühl heimgesucht
wurden. Da gibst nur eins ab zu Dany und was reinpfeiffen. Wir haben gerade der netten Bedienung bei Dany die
Bestellung aufgegeben als Lance Mackey das Restaurant betritt. Er und ein Teil seiner Familie werden in einen
separaten Raum geführt. Hans-Jürgen geht zu ihnen und fragt höflich ob er ein Bild machen darf? ‚Kein Problem',
sagt Lance. Wir lassen den Mackey Tross dann auch in Ruhe und kümmern uns um unsere Bestellung, denn was dort
serviert wird ist kein kleiner Snack! Dany's Restaurant ist mittlerweile zu meinen Favoriten aufgestiegen.
Nach diesem üppigen Mahl fahren wir noch mal ins Hotel und machen uns dann gegen 17.30 Uhr auf den Weg zum
‚Meet the Musher'.